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15. August 2019

Domschatzkammer

Führungen zum Feierabend: Nah dran - Das Christusfenster im Kölner Dom

Im Rahmen der laufenden Ausstellung „Nah dran – das Christusfenster im Kölner Dom“ in der Domschatzkammer werden im September und Oktober 2019 Sonderführungen zum Feierabend angeboten.

Montage des Christusfensters und Schema der Bildfelder. Bild vergrößernChristusfenster MontageFoto: Hohe Domkirche, DBA Köln, GlasrestaurierungswerkstattJeweils mittwochs um 17:00 Uhr führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Glaswerkstatt der Kölner Dombauhütte durch die Ausstellung und geben anhand der Exponate einen anschaulichen Einblick in ihre Tätigkeit. Die Führungen dauern etwa eine Stunde. Folgende Termine sind vorgesehen: 4. September, 11. September, 18. September, 25. September, 2. Oktober, 9. Oktober und 16. Oktober 2019. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Führungen sind im Eintrittsgeld der Domschatzkammer enthalten.

 Das Christusfenster im nördlichen Querhaus gehört nicht zum ursprünglichen Glasmalereibestand des Kölner Domes, sondern gelangte erst 1823 in die Kathedrale. An seiner heutigen Stelle befindet es sich seit 1870. Ursprünglich gehörten die Glasgemälde zu zwei verschiedenen Fensterzyklen, die um 1525 und 1562 entstanden sind. Ihre Herkunft ist nicht gesichert; wahrscheinlich stammen sie aber aus den Kreuzgängen der Kölner Klöster St. Apern und St. Cäcilien. Die Klöster waren im Zuge der Säkularisation um 1800 aufgelöst, die Kreuzgänge in Folgezeit abgebrochen worden.

In der Glasrestaurierungswerkstatt der Kölner Dombauhütte werden die Glasmalereien seit 2017 erstmals nach 70 Jahren wieder restauriert. Staub, Ruß und Schmutzkrusten werden unter Zuhilfenahme von Mikroskop und Lichtlupe behutsam entfernt. Sprünge im Glas werden geklebt. Einzelne Maßnahmen früherer Restaurierungen – wie Trockendoublierungen oder partiell aufgelötete dunkle Gläser von 1949 – werden rückgängig gemacht. Die Schutzverglasung des Fensters aus den 1970er Jahren wird durch eine neue Konstruktion aus Sicherheitsglas ersetzt. Mit der Restaurierung geht eine arbeitsbegleitende Dokumentation einher, in der der Bestand erfasst und alle Maßnahmen der Restaurierung dokumentiert wurden.

Mit der Konservierung und Restaurierung des Christusfensters wird nicht nur der materielle Fortbestand gesichert, auch die künstlerische Qualität der Gestaltung, die Lebendigkeit der Bilderzählung, die eindringliche Schilderung des Passionsgeschehens werden für den Betrachter wieder erfahrbar. Finanziert wurde die Restaurierungsmaßnahme durch die großzügige Unterstützung durch die Kulturstiftung Kölner Dom. Über 100 Stifter haben sich an der Wiederherstellung des Fensters beteiligt. Ihnen gebührt unser aufrichtiger Dank!

Die Ausstellung in der Domschatzkammer bietet mit der Präsentation verschiedener Scheiben aus dem Christusfenster nun die einmalige Gelegenheit, die prachtvollen Glasmalereien aus nächster Nähe zu betrachten. Zudem gibt sie einen Einblick in die Arbeit der Glasrestaurierungswerkstatt der Kölner Dombauhütte und zeigt neben Beispielen heutiger Konservierungs- und Dokumentationspraktiken verschiedene Techniken der Glasmalerei, darunter die Verwendung von Silbergelb, das auf diesen Scheiben besonders vielseitig eingesetzt wurde.

In der Ausstellung der Domschatzkammer sind seit dem 15. August folgende originale Glasbilder des Christusfensters aus nächster Nähe zu sehen: Die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, Christus vor dem Hohepriester Kaiphas, Christus wird verspottet und Christus wird vom Kreuz genommen. Zudem werden in weiteren Vitrinen die durchgeführten Restaurierungsarbeiten vorgestellt und der Entstehungsprozess einer Glasmalerei veranschaulicht. Die Ausstellung läuft bis zum 20. Oktober 2019.

Ulrike Brinkmann, Matthias Deml