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16. März 2018

Dombauhütte

Bauhüttenwesen in Deutsches Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen

Am 16. März 2018 gab die Deutsche UNESCO-Kommission bekannt, dass das »Bauhüttenwesen« in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen wurde. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Anerkennung der europäischen Dom- und Münsterbauhütten als immateriellem Kulturerbe der Menschheit. Im März 2019 werden »Deutschland gemeinsam mit Frankreich und weiteren europäischen Staaten das Bauhüttenwesen für das UNESCO-Register Guter Praxis-Beispiele der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes nominieren«, so die Deutsche UNESCO-Kommission in ihrer Pressemitteilung. Der Antrag bei der Deutschen UNESCO-Kommission war im vergangenen Jahr von den Dom- und Münsterbauhütten Freiburg, Ulm und Köln gestellt worden.

Abnahme des Hängegerüstes vom Nordturm des Domes in 100 Metern Höhe durch die Gerüstbauer der Kölner Dombauhütte.Bild vergrößernAbnahme des Hängegerüstes vom NordturmFoto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte, M. UnkelbachInsgesamt gab es sieben Neuaufnahmen in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, darunter künstlerische Drucktechniken, der Further Drachenstich oder die Landshuter Hochzeit. Für die internationalen UNESCO-Listen wurde neben dem Bauhüttenwesen auch das Hebammenwesen nominiert. Zurzeit stehen insgesamt 470 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen auf den drei internationalen UNESCO-Listen.

Ohne die europäischen Dom- und Münsterbauhütten wäre der Erhalt der zahlreichen europäischen Kathedralen und anderer großer Kirchenbauten, die einen wesentlichen Teil des europäischen Kulturerbes bilden, undenkbar. Bis heute stehen sie in der Tradition der mittelalterlichen Bauhütten und geben ihr unschätzbares Fachwissen und ihre Traditionen von Generation zu Generation weiter. Handwerker und Restauratoren der verschiedensten Gewerke arbeiten eng zusammen, um die herausragenden Bauten künftigen Generationen zu bewahren.  Wie bereits im Mittelalter stehen auch heute die Bauhütten international in einem regen wissenschaftlichen und handwerklichen Austausch, um von dem jeweiligen Wissen und den Erfahrungen der anderen zu profitieren. Neben traditionellem Handwerk ist stets auch Innovation gefragt, um neue Wege zur Konservierung der historischen Baustoffe zu finden. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Forschungs-einrichtungen.

Anbringen von Ergänzungen an einer Kreuzblume durch den Steinmetzen der Kölner Dombauhütte Markus Schroer.Bild vergrößernErgänzungen an einer KreuzblumeFoto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte, J. RumbachDombaumeister Peter Füssenich freut sich über die Aufnahme der Bauhütten in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes und die Nominierung für die internationalen UNESCO-Listen: »Dies bedeutet für uns eine enorme Wertschätzung. Die Aufnahme in das Register Guter Praxis-Beispiele bedeutet ja letztlich, dass die Arbeiten der Bauhütten einen Vorbildcharakter haben. In der Tat gehören die Kulturerbestätten und die sie erhaltenden Institutionen untrennbar zusammen. Ohne das tradierte Wissen und die engagierten, sich mit ihrem Bauwerk identifizierenden Mitarbeitern, wäre ein Erhalt der historischen Großbauten sehr  viel schwieriger, da neue Probleme schneller erkannt und gelöst werden können. Über dies hinaus benötigen wir immer auch die Unterstützung und Akzeptanz einer breiten Öffentlichkeit. Hierfür kann die Anerkennung als immaterielles Kulturerbe nur von Vorteil sein.«

Im Zweiten Weltkrieg beschädigte Reliefs am Michaelportal werden durch die Bildhauerin Uta Tröger ergänzt.Bild vergrößernRestaurierungarbeiten am MichaelportalFoto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte, J. RumbachVgl. zum Bauhüttenwesen als immaterielles Kulturerbe:

http://www.unesco.de/kultur/immaterielles-kulturerbe/bundesweites-verzeichnis/register-guter-praxisbeispiele/bauhuettenwesen.html

Matthias Deml