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23. August 2017

10 Jahre Südquerhausfenster von Gerhard Richter

Seit August 2007 taucht das Fenster von Gerhard Richter das Südquerhaus in farbiges Licht.Bild vergrößernSüdquerhaus mit Fenster von Gerhard RichterFoto: Hohe Domkirche, Dombauhütte, Matz und SchenkVor 10 Jahren wurde das von Gerhard Richter entworfene Südquerhausfenster feierlich eingeweiht.

Am Samstag, den 25. August 2007 war es endlich soweit. Der schwarze Vorhang, der seit Mai 2007 das Südquerhausfenster des Kölner Domes verdeckt hatte, fiel, und das neue, von Gerhard Richter entworfene Fenster war im Rahmen eines Festgottesdienstes erstmals in seiner Gesamtheit im Kirchenraum zu erleben. Treffend brachte an diesem Tag der Künstlerseelsorger der Erzdiözese, Domkapitular Prälat Josef Sauerborn, in seiner Predigt die Wirkung des zeitgenössischen Kunstwerkes zum Ausdruck: "Das neue Fenster zwingt sich nicht auf. Es will nicht beherrschen. Es steht in bewusster Beziehung zur Farbenwelt und Architektur des Domes. In seiner überwältigenden Farbenfülle ist es selbst eine Symphonie des Lichtes, in der alle Farben des Domes erklingen."

Der Enthüllung vorausgegangen waren fünf Jahre intensiver Planungen und Vorbereitungen sowie der über dreimonatige Einbau. Die Vorgeschichte des Fensters, das neben dem Westfenster von Carl Julius Milde und dem Nordquerhausfenster eines von drei großen Domfenstern ist, reicht noch viel weiter zurück. Das ursprüngliche, 1863 im Königlichen Glasmalerei-Institut in Berlin-Charlottenburg geschaffene Fenster, eine Stiftung des preußischen Königshauses, war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, ebenso die in Berlin lagernden Originalentwürfe und Kartons. An seine Stelle trat 1948 zunächst eine schlichte Ornamentverglasung in sehr hellen Glastönen nach einem Entwurf von Wilhelm Teuwen. Als 2002 die Entscheidung fiel, die erhaltenen figürlichen Scheiben der von Michael Welter (figürliche Darstellungen) und Wilhelm Hoffmann (Ornamentverglasung) entworfenen Obergadenverglasung des Domes aus dem 19. Jahrhundert im Querhaus wieder einzubauen und die zugehörigen, im Krieg zerstörten Ornamentscheiben nach den originalen Farbentwürfen zu rekonstruieren, beschloss das Domkapitel, dass auch für das Südquerhausfenster eine neue Lösung gesucht werden sollte. Eine Rekonstruktion war hier wegen der mangelnden Befundlage nicht möglich.

Das Südquerhausfenster wurde am 25. August 2007 geweiht.Bild vergrößernSüdquerhausfenster von Gerhard RichterFoto: Hohe Domkirche, Dombauhütte, Matz und SchenkBereits 2002 wurden erste Gespräche mit dem Maler Gerhard Richter geführt, der neben anderen Künstlern mit einem Entwurf betraut wurde. Am 1. Februar 2005 beschloss das Domkapitel den Auftrag für die Neugestaltung des Fensters einschließlich der Triforiumsverglasung an Gerhard Richter zu vergeben. Am 2. Mai 2006 akzeptierte das Domkapitel den endgültigen Entwurf Gerhard Richters und beschloss, das Fenster nach diesem Entwurf ausführen zu lassen. Mit der Ausführung wurde die Firma Derix in Taunusstein beauftragt. Am 14. Mai 2007 begann der Einbau der ersten Scheiben. Die Herstellungskosten für die Ausführung betrugen 370.000,‒ €. Gerhard Richter selbst verzichtete auf ein Honorar für seinen Fensterentwurf. Die Kosten wurden vollständig durch Spenden finanziert. Insgesamt konnten über 1.000 Spender gefunden werden, die bereit waren das Fenster mitzufinanzieren.

Heute ist das Fenster ein festes Element der Domausstattung geworden. Den zahlreichen bedeutenden Kunstwerken aus dem 10. bis 20. Jahrhundert ist somit ein erstrangiges Kunstwerk des 21. Jahrhunderts hinzugefügt worden. Den farbigen Fenstern des Domes aus dem 13. bis 16. sowie aus dem 19. bis 21. Jahrhundert kommt für die Gesamtwirkung der Architektur eine besondere Rolle zu. So freut sich Dompropst Gerd Bachner: „Unser Kölner Dom ist eine Kathedrale des Lichts. Seine enorme Fensterfläche von etwa 10.000 Quadratmetern bringt nicht nur den Innenraum des Domes zum Leuchten, sondern auch unser Innerstes. Wir erfahren ein Stück Himmel auf Erden. Seit 2007 trägt auch das von Gerhard Richter gestaltete Südquerhausfenster zu diesem erhebenden Gefühl bei. Die farbigen Quadrate, die bei entsprechendem Sonnenstand auch den angrenzenden Innenraum in buntes Licht tauchen, sind nicht nur ein besonderer Hingucker. Sie sind der beste Beweis dafür, dass der Dom ›lebt‹ – und vor zehn Jahren um eine beeindruckende künstlerische Facette des 21. Jahrhunderts bereichert worden ist.“

Matthias Deml