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13. Juli 2017

Dombauhütte

Kölner Dom auf Ausstellung in Nürnberg vertreten

In der Ausstellung »Luther, Kolumbus und die Folgen« im Germanischen Nationalmuseum ist ein mittelalterlicher Wasserspeier des Kölner Domes zu sehen.

Der Wasserspeier entstand um 1300 für den Domchor.Bild vergrößernWasserspeier Hockender TeufelFoto: Hohe Domkirche, Dombauarchiv, J. RumbachIm Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist zurzeit ein Wasserspeier vom Kölner Dom ausgestellt. Die Ausstellung widmet sich anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 der Zeitenwende um 1500, wobei insbesondere die scharfen Gegensätze der Reformationszeit thematisiert werden: »das dramatische Nebeneinander von Aufbruchsstimmung und Endzeit-Angst, von Wissensdurst und Neugierverbot, wie es die Umbruchjahre zur Neuzeit hin prägte«. Die Ausstellung ist vom 13. Juli bis zum 12. November 2017 zu sehen.

Der um 1300 für die Südseite des Domchores aus Drachenfelser Trachyt geschaffene Wasserspeier stellt einen zotteligen Teufel mit Vogelfüßen dar, der gerade im Begriff ist, eine menschliche Seele, dargestellt als ein nackter junger Mann, huckepack in die Hölle zu tragen. Zwar scheint sich der Jüngling noch mit den Armen zu wehren, dem festen Griff des Satans kann er sich jedoch nicht mehr entziehen.

In der Ausstellung verbildlicht der Wasserspeier die Sorge des mittelalterlichen Menschen um sein Seelenheil und den allgemein verbreiteten Teufelsglauben. Der Teufel, der jede beliebige Gestalt annehmen konnte, galt als der Widersacher Gottes, der stets bestrebt war, die menschliche Seele zur Sünde zu verführen und zu sich herabzuziehen. Die Vielgesichtigkeit des Teufels wird am Wasserspeier anschaulich durch die zahlreichen Gesichter auf Ellenbogen, Knien und Brust zum Ausdruck gebracht.

Auf der Rückseite sieht man einen nackten Jüngling, der vom Satan in die Hölle geschleift wird.Bild vergrößernRückseite des WasserspeiersFoto: Hohe Domkirche, Dombauarchiv, J. RumbachDer 1,90 m hohe Wasserspeier war bereits 1933/34 durch eine Kopie aus Muschelkalk ersetzt worden und steht seither im Skulpturendepot der Kölner Dombauhütte. Dort ist er für die Allgemeinheit leider nicht sichtbar. Die sehenswerte Ausstellung in Nürnberg bietet daher nicht zuletzt auch eine einmalige Gelegenheit, den 700-jährigen Wasserspeier aus nächster Nähe zu betrachten.

Zu den phantasievoll gestalteten Wasserspeiern des Kölner Domes ist im vergangenen Jahr im Verlag Kölner Dom auch ein Bildband mit Fotografien von Klaus Maximilian Gierden sowie Texten von Matthias Deml und Klaus Hardering erschienen.

Matthias Deml