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31. März 2017

Domschatzkammer

Ausstellung »Ewald Mataré und der Kölner Dom«

Seit 31. März 2017 ist in der Domschatzkammer die Ausstellung "Ewald Mataré und der Kölner Dom" zu sehen. Die Ausstellung läuft bis zum 20. August 2017.

Zum Domjubiläum 1948 erstellte Ewald Mataré neue Bronzeportale für das Hauptportal der Südquerhausfassade.Bild vergrößernDom Bischofstür und Papsttür 1947-1948Foto: DBA Köln, Matz und SchenkIn der Zeit des Nationalsozialismus verfemt, erhielt der seit 1947 an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrende Bildhauer Ewald Mataré vor genau siebzig Jahren einen seiner berühmtesten Aufträge: die Schaffung neuer Bronzetüren für das Südquerhausportal des Kölner Domes. Rechtzeitig zum Domjubiläum 1948 konnten die beiden mittleren Türen ‒ Papst- und Bischofstür ‒ eingebaut werden, 1953 und 1954 folgten Pfingst- und Schöpfungstür. Papst- und Bischofstür werden bestimmt durch die beiden Wappen der damaligen Kirchenfürsten. Unter dem aufwändigen Wappen Papst Pius XII. (1939-1958) sind als Symbol für Wachsamkeit und Hingabe ein Hahn und ein Pelikan zu sehen, der mit dem Schnabel seine Brust öffnet, um mit dem eigenen Blut seine Jungen zu nähren. Die Türflügel unter dem Wappen des Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Frings (1942-1969) zeigen in kreisförmiger Anordnung sieben Kölner Heilige, die für die sieben Gaben des Heiligen Geistes stehen. Farbige Mosaikauflagen beleben die beiden Tierdarstellungen und heben vor allem auch Bischofs- und Papstwappen deutlich hervor.

Die gleichsam über allem schwebende Hand Gottes sowie das Erscheinen Gottes im Alten und im Neuen Testament (Brennender Dornbusch und Verklärung auf dem Berge Tabor) sind die bestimmenden Motive der Schöpfungstür im rechten Seitenportal (Gereonsportal). Die berühmte an die Schrecken des Krieges erinnernde Darstellung des Brennenden Köln und der kniende Noah zieren die Türflügel der Pfingsttür im linken Seitenportal (Ursulaportal). Wie ein Hoffnungsschimmer überspannt ein goldener Regenbogen die Szenerie.Mit den vier Bronzetüren der Südquerhausfassade besitzt der Kölner Dom eine der bedeutendsten Schöpfungen dieser Gattung in der deutschen Kunst der Nachkriegszeit. Weit über Köln hinaus bekannt, verkörperten die Domtüren Matarés auch einen Aufbruch der künstlerischen Bewegung dieser Zeit und weckten die Hoffnung auf eine neue Zukunft der kirchlichen Kunst.

Marl, Skulpturenmuseum Glaskasten, Inv.-Nr. 213.Bild vergrößernHahn 1948/49Foto: Marl, Skulpturenmuseum GlaskastenDie Ausstellung "Ewald Mataré und der Kölner Dom" in der Domschatzkammer würdigt das Schaffen eines Künstlers, der die Entwicklung kirchlicher Kunst nach 1945 in Deutschland und vor allem auch im Erzbistum Köln entscheidend geprägt hat. Als Lehrer an der Kunstakademie hat er eine Reihe von Künstlern ausgebildet, die sein Erbe weitertrugen und selbst für den Kölner Dom tätig wurden.

Die Ausstellung in der Kölner Domschatzkammer stellt die Entstehungsgeschichte der Bronzetüren in den Mittelpunkt. Dabei werden Werke gezeigt, die im unmittelbaren Zusammenhang zu den Türen entstanden sind, ergänzt um bildhauerische Arbeiten, die im kirchlichen Kontext geschaffen wurden und christliche Inhalte zum Thema haben. Die ausgestellten Kunstwerke – darunter verschiedene Reliefs, Kruzifixe, ein Abtsstab und liturgische Geräte, aber auch Matarés berühmte Tierskulpturen – vermitteln ein anschauliches und repräsentatives Bild der Arbeiten Ewald Matarés und geben einen Eindruck von der Vielfältigkeit seines künstlerischen Schaffens.

Kleve, Museum Kurhaus Kleve - Ewald Mataré-Sammlung Inv.-Nr. 88-04-192.Bild vergrößernCorpus Christi (Torso) 1936Foto: Kleve, Museum Kurhaus Kleve - Ewald Mataré-Sammlung, Annegret GossensZur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag Kölner Dom erschienen.

Leonie Becks